Bericht zur Herbsttagung 2022  des Schrieverkrings im Kreismuseum Syke

 

Ein Erfahrungsaustausch im Umgang mit der plattdeutschen Sprache in Schulen und auf diversen Veranstaltungen stand im Mittelpunkt der diesjährigen Herbsttagung des Schrieverkrings im Kreisheimatbund. In den Diskussionen kristallisierte sich sehr schnell heraus, dass die in den Schulen Plattdeutsch unterrichtenden Teilnehmer und Teilnehmerinnen ganz unterschiedliche – manchmal auch enttäuschende – Erfahrungen gemacht haben.

 

Auf den Erfolg des Unterrichts haben, so die Meinung der Unterrichtenden, sowohl die Unterrichtszeiten selbst als auch die zwischen dem Plattdeutschangebot liegenden Abstände einen entscheidenden Einfluss. Unterrichtszeiten am späteren Schultag oder zu lange Abstände zwischen den einzelnen Stunden, teilweise sogar 4 Wochen, erschweren die Arbeit erheblich. Sketche, Rollenspiele, Spiele, die für Kinder früherer Jahrzehnte zum täglichen Leben dazu gehörten und Lieder für Kinder erhöhen bei den Schülerinnen und Schülern die Akzeptanz, am Plattdeutschunterricht teilzunehmen, wesentlich.

 

Auch entscheidend für den Erfolg ist für die Unterrichtenden die einfache, kindgerechte Sprache. Geschichten, die Kinder zwar lesen können, deren Inhalt sie aber nicht verstehen, zu deren Inhalt sie auch keinen Bezug haben, haben keine „Äkschen“ und langweilen sie. Richtige Kindergeschichten hingegen, mit Inhalt, der Kinder anspricht, wecken das Interesse.

 

Aus Sicht des Schrieverkrings ist es deshalb wünschenswert, wenn die, die in den Schulen für die Organisation verantwortlich sind, bei den Stundenplänen für Plattdeutsch günstigere Zeiten einplanen können und die, die Plattdeutsch unterrichten, Spiele, Rollenspiele, Sketche und kindgerechte plattdeutsche Geschichten zur Verfügung gestellt bekommen.

 

Bei von Dr. Dietrich Heumann und Ingrid Reineke vorgestellten selbstverfassten Geschichten, die Kinder lesen aber inhaltlich nicht verstehen würden, auf der einen Seite und dem von Eleonore Meyer vorgestellten kindgerechten Liedtext mit einfachen Worten und dem von David Bär vorgetragenen Kinderlied auf der anderen Seite, wurde der Unterschied zwischen Plattdeutsch für Erwachsene und Plattdeutsch für Kinder noch einmal deutlich.

 

David Bär teilte noch mit, dass er beabsichtigt, einen Verein „Kinner singt op Platt“ zu gründen. „Platt ist ein Teil einer kulturellen Tradition und Identität, deren positiven Seiten ich bewahren und weitergeben möchte. Und das geht nicht besser, als wenn Kinder auf Plattdeutsch singen oder Theater spielen.“

 

Beendet wurde die Tagung mit einem Rückblick auf die Entwicklung des Plattdeutschen seit Gründung des Fachausschusses zur Pflege der plattdeutschen Sprache 1982, und es wurde die Frage gestellt: Befindet sich die plattdeutsche Sprache im freien Fall?

 

Das Konzept von David Bär und der Beitrag „Die plattdeutsche Sprache im freien Fall?“  sollen Gerhard Meyer zugestellt werden, damit er sie im Internet auf der Seite des Kreisheimatbundes unter „Plattdüütsch, alltohoop!“ veröffentlichen kann.

 

Die Frühjahrstagung des Schrieverkrings ist für den 29. März 2023 im Kreismuseum geplant.

 

 

Die plattdeutsche Sprache im freien Fall?

 

1982 gründete der Kreisheimatbund einen Fachausschuss zur Pflege der plattdeutschen Sprache. Vor einigen Jahren riefen Dr. Albrecht Beer und Traute Dittmann, die damalige Leiterin des Fachausschusses, unter „Plattdüütsch, alltohoop!“ all diejenigen zur Zusammenarbeit auf, die sich „im Landkreis Diepholz für die Bewahrung, Weiterentwicklung und Verbreitung unserer plattdeutschen Sprache engagieren“. Lag in den 80-er Jahren der Schwerpunkt der Ausschussarbeit noch auf der Pflege der plattdeutschen Sprache, gingen Dr. Albrecht Beer und Traute Dittmann mit ihrem Aufruf schon einen Schritt weiter. Sie sahen die Entwicklung, sahen, dass allein die Pflege den negativen Trend nicht stoppen würde und forcierten die Diskussionen über Bewahrung, Weiterentwicklung und Verbreitung. Zunächst einmal – so ihre Überlegungen – müssen wir die Sprache bewahren. Im zweiten Schritt können wir sie dann weiterentwickeln. Erst wenn wir sie bewahrt, sie weiterentwickelt, sie zukunftsfähig gemacht haben, können wir sie auch verbreiten.

 

Eine gelebte Sprache lässt sich leicht pflegen. Neue Elemente aus anderen Sprachkulturen fließen ein, entwickeln die Sprache weiter. Die Gesellschaft erkennt die Bedeutung der Sprache, räumt ihr in den Schulen den gebührenden Platz ein. Plattdeutsch gehört in unserer Gesellschaft nur noch in einigen wenigen älteren Bevölkerungsschichten zu einer gelebten Sprache. Jüngere Generationen wachsen mit Plattdeutsch nicht mehr auf. Die Sprache verschwindet nach und nach. Schaffen wir es nicht, Plattdeutsch als regionales Kulturgut im Bewusstsein der in den entsprechenden Regionen lebenden Menschen zu verankern, befindet sich diese Sprache im freien Fall.

 

Die Zeiten, wo die Enkelkinder bei Oma und Opa auf dem Schoß saßen und neugierig ihr in Plattdeutsch gehaltenes Gespräch lauschten, zwischendurch sich selbst in Plattdeutsch an dem Gespräch beteiligten, gehören schon längst der Vergangenheit an. Heute wachsen nur noch ganz wenige Kinder mit Plattdeutsch auf. Für die meisten ist Plattdeutsch eine fremde Sprache, die sie später in ihrem am Materiellen orientierten Leben nicht benötigen.

 

Lobenswert und zielführend sind die Bemühungen der zuständigen Ministerien, Plattdeutsch als Unterrichtsfach in den Grundschulen zu etablieren. Schleswig-Holstein hat im Schuljahr 2014/2015 an 27 Grundschulen damit begonnen. Es ist davon auszugehen, dass an diesen Grundschulen auch Lehrkräfte Plattdeutsch unterrichten, die mit Plattdeutsch aufgewachsen sind. Erfolgreich werden die Bemühungen sein, wenn sich alle, die damit befasst sind, auf eine – weitestgehend – einheitliche Rechtschreibung einigen könnten. Dr. Johannes Sass hat in seinem Wörterbuch Regeln für die plattdeutsche Sprache veröffentlicht und im Nachspann Regionen im norddeutschen Raum aufgelistet, in denen diese Regeln beachtet werden sollten. Die Arbeitsgruppe SASS hat ein digitales plattdeutsches Wörterbuch entwickelt. Grundlagen sind vorhanden. Es liegt jetzt an uns, aktiv zu werden für „die Bewahrung, Weiterentwicklung und Verbreitung unserer plattdeutschen Sprache“.

 

 


Wechsel in der Leitung des Schrieverkrings

HERZLICHEN DANK TRAUTE DITTMANN! WILLKOMMEN WILHELM FALLDORF!


Neue Dynamik für den FachAusschuss



Platt, wo schrift´n dat?

 

Es ist eine irrige Meinung, im Niederdeutschen könne man keine Fehler machen, man dürfe Platt so schreiben, wie man wolle. Plattdeutsche Geschichten und Gedichte, die meist eine regionale niederdeutsche Mundart erkennen lassen, müssen allgemein lesbar sein. Seit Jahrzehnten hat sich die Rechtschreibung nach den Regeln von Dr. Johannes Saß aus Hamburg bewährt. Ein Grundsatz ist, dass sich die plattdeutsche Schreibweise an der des Hochdeutschen orientieren soll, damit die Wörter leichter zu erkennen sind. Wenn das Platt der einzelnen Regionen nach einheitlichen Regeln geschrieben wird, könnte sich eine plattdeutsche Schriftsprache entwickeln. Das wäre eine wichtige Voraussetzung für den Bestand des Plattdeutschen, das bislang noch keine einheitliche Sprache ist, sondern aus einer Vielzahl von Dialekten besteht.

 

Wir sind der Auffassung, dass nur durch eine Bündelung der Kräfte die plattdeutsche Sprache den Status eines Dialekts verlassen und den Status einer allseits anerkannten Sprache erreichen kann.

 

So wird es unumgänglich sein, dass eine einheitliche Grammatik und Rechtschreibung befolgt wird. Dies nicht zuletzt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Denn es wäre unwirtschaftlich, für jeden regionalen Mikrodialekt ein eigenes Grammatik-Lehrbuch und Lexikon zu schreiben und zu drucken. Gerade, wenn man junge Menschen und/oder andere Interessierte durch Sprachkurse an die plattdeutsche Sprache heranführen möchte, dann muss dafür überregional ein qualitativ hochwertiges und einheitliches Unterrichtsmaterial vorliegen und benutzt werden.

 

Wir empfehlen daher folgende Werke in Buchform:

 

Heinrich Thies: Sass: Plattdeutsche Grammatik, Wachholtz Verlag Hamburg/Kiel, ISBN 978-3-529-03200-4

Heinrich Thies: Der neue Sass: Plattdeutsches Wörterbuch, Wachholtz Verlag Hamburg/Kiel, ISBN 978-3-529-03000-0

 

Im Internet findet man entsprechendes Material unter: https://sass-platt.de

 
Traute Dittmann        Dr. Albrecht Beer

 

 

 



Medienbericht zum FachAusschuss


Quelle: Weser-Kurier, Bremen/Lokales vom 18. Juli 2019

Redakteurin: Alexandra Penth

Foto: Michael Braunschädel